Grundlageninformationen zu ADHS
von Stefan Lukas – 02.08.2026 - Lesezeit: 5min - Bilder KI-generiert
ADHS – Eine Einführung
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung verstehen
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die durch ein komplexes Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Faktoren entsteht . Die Störung beginnt in der Kindheit, persistiert bei vielen Betroffenen bis ins Erwachsenenalter und beeinflusst maßgeblich die Lebensqualität . Hier einige grundlegende Informationen.
TEIL 1 – AUSFÜHRLICHE INFORMATION
1. Was ist ADHS?
ADHS ist eine klinisch heterogene Störung der Gehirnentwicklung, an der zahlreiche genetische und umweltbedingte Risikofaktoren beteiligt sind . Im DSM-5 werden drei Ausprägungen („Präsentationen“) unterschieden :
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Typ |
Merkmale |
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Vorwiegend unaufmerksamer Typ |
Mindestens 6 von 9 Unaufmerksamkeitssymptomen (bei Erwachsenen ≥ 5) |
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Vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ |
Mindestens 6 von 9 Hyperaktivitäts-/Impulsivitätssymptomen |
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Kombinierter Typ |
Symptome aus beiden Bereichen |
Die Prävalenz liegt bei etwa 7,2 % bei Kindern und 2,6 % bei Erwachsenen .
2. Ursachen und neurobiologische Grundlagen
Genetische Faktoren:
- Die Erblichkeit wird auf 70–80 % geschätzt .
- Eltern und Geschwister Betroffener haben ein 5- bis 10-fach erhöhtes Risiko .
- Es liegt eine polygenetische Vererbung vor – nicht ein einzelnes Gen, sondern viele Genveränderungen wirken zusammen .
Neurobiologische Veränderungen:
- Funktionsstörungen neuronaler Regelkreise, insbesondere im Frontalhirn und Striatum .
- Betroffen sind vor allem die Botenstoffe (Neurotransmitter) Dopamin und Noradrenalin .
- Diese Dysfunktionen beeinträchtigen die Selbstregulation und vorausschauende Handlungsplanung .
Umweltfaktoren (Risikofaktoren, keine alleinigen Ursachen):
- Pränatal: Stress, Nikotin- oder Alkoholkonsum der Mutter .
- Perinatal: Frühgeburtlichkeit, niedriges Geburtsgewicht .
- Psychosozial: Familiäre Instabilität, inkonsequente Erziehung .
- Wichtig: ADHS wird nicht durch Erziehungsversagen verursacht !
3. Symptome im Kindes- und Erwachsenenalter
Kernbereiche der ADHS-Symptomatik :
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Unaufmerksamkeit |
Hyperaktivität |
Impulsivität |
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Flüchtigkeitsfehler |
Zappeln, Rutschen |
Platzen mit Antworten |
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Schwierigkeiten, Aufmerksamkeit |
Kann nicht sitzen bleiben |
Warten fällt schwer |
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Scheint nicht zuzuhören |
Übermäßige Bewegung |
Unterbricht andere |
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Aufgaben nicht zu Ende geführt |
„Auf Achse“ sein |
Handelt ohne nachzudenken |
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Desorganisiert |
Redet übermäßig |
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Vermeidet anhaltende Konzentration |
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Verliert Gegenstände |
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Leicht ablenkbar |
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Vergesslich |
Besonderheiten im Erwachsenenalter :
- Hyperaktivität wird oft innerer Unruhe (chronische Anspannung, Entspannungsunfähigkeit).
- Desorganisiertheit und emotionale Instabilität treten stärker hervor.
- Berufliche und partnerschaftliche Schwierigkeiten sind häufig.
- Geringe Frustrationstoleranz und schnelle Stimmungswechsel.
4. Diagnose
Die Diagnose erfolgt nach DSM-5-Kriterien und erfordert :
- Symptome: ≥ 6 Symptome (Kinder) bzw. ≥ 5 (Erwachsene ≥ 17 Jahre) in mindestens einem Bereich.
- Beginn: Symptome vor dem Lebensjahr (mindestens 6 Monate andauernd).
- Settings: Symptome in zwei oder mehr Lebensbereichen (z.B. Schule und Zuhause).
- Beeinträchtigung: Nachweisliche funktionelle Einschränkungen.
- Ausschluss: Symptome sind nicht durch andere Störungen erklärbar.
Die Diagnostik umfasst eine gründliche klinische Evaluation mit Anamnese, Fremdbeurteilungen (Eltern, Lehrer) und Verhaltensbeobachtung . Labor- oder bildgebende Verfahren sind nicht zur Diagnose geeignet.
5. Behandlung (multimodaler Ansatz)
Die Behandlung erfolgt multimodal, d.h. verschiedene Bausteine werden aufeinander abgestimmt .
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Schweregrad |
Therapieempfehlung |
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Leicht |
Psychosoziale Intervention (Elterntraining, Psychotherapie, Psychoedukation) |
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Moderat |
Psychoedukation + entweder intensivierte Psychotherapie oder Medikamente |
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Schwer |
Pharmakotherapie + begleitende Psychotherapie möglich |
Therapiebausteine im Überblick :
- Psychoedukation – Aufklärung und Beratung für Betroffene und Angehörige (immer erster Schritt).
- Psychotherapie – vor allem kognitive Verhaltenstherapie, Selbstmanagement-Training, Sozialkompetenz-Training .
- Medikamente – Mittel der Wahl sind Stimulanzien (Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Dexamphetamin) sowie Atomoxetin (Non-Stimulanz, v.a. bei Angststörungen oder Unverträglichkeit) .
- Ergänzend: Neurofeedback, ergotherapeutische Angebote .
Wichtiger Sicherheitshinweis: Stimulanzien unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz, senken aber bei sachgerechter Anwendung das Suchtrisiko, da sie die Selbstbehandlungs-Tendenz reduzieren . Medikamente werden niemals ohne begleitende Psychotherapie/Verhaltenstherapie eingesetzt .
Die Inhalte dieses Beitrags sind weder medizinisch noch psychotherapeutisch oder pädagogisch verwertbar. Sie geben nur meine subjektiven persönlichen Erlebnisse oder Erfahrungen wider. Für Diagnostik und Therapie suchen Sie bitte fachlich geeignete Personen auf. Fragen Sie dort Erfahrungen im Bereich Autismus und ADHS nach.
