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Superkräfte
Die verborgenen Superkräfte: Wie Autismus und ADHS die Welt bereichern

von Stefan Lukas  -  Bild KI-generiert

Einleitung: Eine andere Art zu denken

Du verstehst die ungeschriebenen Regeln nicht, die Mimik der anderen bleibt dir rätselhaft, und während alle um dich herum scheinbar mühelos miteinander kommunizieren, fühlst du dich wie ein Außerirdischer. Genau so beschreiben viele autistische und ADHS-betroffene Menschen ihren Alltag. Doch was wäre, wenn diese Andersartigkeit keine Schwäche, sondern eine Gabe wäre? Was, wenn das Gehirn, das anders tickt, genau deshalb wertvolle Fähigkeiten besitzt?

Die Forschung der letzten Jahre hat gezeigt: Menschen mit Autismus und ADHS verfügen über einzigartige kognitive Stärken, die in unserer modernen Gesellschaft von unschätzbarem Wert sind. Dieser Artikel lädt dich ein, deine eigene Neurodivergenz aus einer völlig neuen Perspektive zu betrachten – nicht als Defizit, sondern als Superkraft.

Die Superkräfte im Detail: Was die Forschung sagt

Autismus: Präzision, Tiefe und systematisches Denken

Jahrzehntelang wurde Autismus in der öffentlichen und medizinischen Diskussion einseitig als „Störung“ beschrieben. Doch neuere Studien rücken zunehmend die positiven Eigenschaften in den Fokus. Autistische Menschen weisen überdurchschnittliche Fähigkeiten in mehreren Bereichen auf:

Detailwahrnehmung und Mustererkennung: Autistische Menschen nehmen Details wahr, die anderen völlig entgehen. Diese Fähigkeit ist in Bereichen wie Softwareentwicklung, Qualitätssicherung und Cybersicherheit von unschätzbarem Wert. Studien belegen, dass autistische Menschen überdurchschnittliche Fähigkeiten in mathematischem Denken und Detailgenauigkeit besitzen.

Analytisches und systematisches Denken: Die Fähigkeit, Probleme in ihre Einzelteile zu zerlegen und systematisch nach Lösungen zu suchen, ist eine Kernkompetenz vieler Autist:innen. In der Forschung wird dies mit einer besonderen Begabung für „systematisierende“ Denkweisen in Verbindung gebracht.

Logische Entscheidungsfindung: Autistische Menschen lassen sich seltener von Emotionen leiten, wenn es um Entscheidungen geht. In stressigen Situationen bewahren sie einen kühlen Kopf – eine Eigenschaft, die in Krisenberufen oder Führungspositionen von unschätzbarem Wert ist.

Ehrlichkeit und Direktheit: Was manche als mangelndes Taktgefühl interpretieren, ist in Wirklichkeit eine seltene Gabe: autistische Menschen sprechen Dinge an, die sonst unausgesprochen bleiben. Diese Direktheit ist in Teams ein unterschätzter Gewinn.

Tiefe und Ausdauer: Wenn ein Thema interessiert, können autistische Menschen sich stunden- oder tagelang darin verlieren und unglaublich viel Wissen aufbauen. Diese Fähigkeit zur tiefen, unermüdlichen Beschäftigung führt zu echter Expertise.

ADHS: Kreativität, Flexibilität und vernetztes Denken

Auch ADHS wird oft nur durch seine Herausforderungen definiert. Dabei zeigen Studien, dass Menschen mit ADHS in bestimmten Bereichen neurotypische Menschen sogar übertreffen:

Kreativität und innovatives Denken: Menschen mit ADHS erzielen in Kreativitätstests signifikant höhere Werte. Sie denken vernetzt, verbinden scheinbar unzusammenhängende Ideen und finden unkonventionelle Lösungen.

Hyperfokus: Das ADHS-Gehirn ist nicht etwa generell konzentrationsunfähig – es kann sich unter bestimmten Bedingungen sogar intensiver fokussieren als jedes neurotypische Gehirn. Wenn etwas aufregend oder belohnend erscheint, entsteht ein Zustand übertriebener, nahezu zwanghafter Konzentration. Dieser „Hyperfokus“ wird häufig als besondere Stärke beschrieben – und tatsächlich kann er zu außergewöhnlichen Leistungen führen.

Begeisterungsfähigkeit und Einsatzfreude: Menschen mit ADHS können sich mit einer Intensität für Themen begeistern, die ansteckend wirkt. Diese Begeisterung treibt Innovationen voran und motiviert ganze Teams.

Schnelligkeit und hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit: In bestimmten Kontexten verarbeiten ADHS-Gehirne Informationen blitzschnell und reagieren spontan und flexibel.

Resilienz und Anpassungsfähigkeit: Menschen mit ADHS entwickeln oft außergewöhnliche Problemlösungsfähigkeiten und Widerstandskraft. Sie mussten ihr Leben lang Strategien entwickeln, um in einer Welt zurechtzukommen, die nicht auf sie ausgelegt ist – und genau das macht sie stark.

AuDHS: Die Kombination beider Welten

Autismus und ADHS treten sehr häufig gemeinsam auf – Schätzungen zufolge haben 40 bis 60 Prozent der Autist:innen auch ADHS. Diese Kombination, oft als AuDHS bezeichnet, kann zu besonders komplexen Stärkenprofilen führen. Die systematische Tiefe des autistischen Gehirns verbindet sich mit der kreativen Vernetzung des ADHS-Gehirns – eine explosive Mischung aus Präzision und Innovation.

Wichtig zu verstehen: Es geht hier nicht um die sogenannten Savants mit außergewöhnlichen Inselbegabungen. Die hier beschriebenen Superkräfte sind keine seltenen Ausnahmen – sie sind typische, weit verbreitete Stärken, die die Mehrheit der autistischen und ADHS-betroffenen Menschen in unterschiedlicher Ausprägung besitzt.

Warum viele nicht über ihre Superkräfte reden

Wenn diese Stärken so offensichtlich sind – warum sprechen dann so viele neurodivergente Menschen nicht darüber?

Die defizitorientierte Prägung

Die Frage „Was kann ich gut?“ ist für viele Autist:innen ungewohnt. Sie verlangt nicht nur analytisches Denken, sondern auch emotionale Offenheit und Vertrauen. Wer jahrelang nur mit seinen „Defiziten“ konfrontiert wurde, entwickelt selten ein Gespür für eigene Kompetenzen.

Autismus wird in der öffentlichen Diskussion oft einseitig als Störung beschrieben. Im Fokus stehen Symptome, Defizite und Anpassungsschwierigkeiten – die Perspektive auf schlummernde Potenziale wird dabei völlig außer Acht gelassen. Diese einseitige Betrachtung wirkt sich nicht nur auf gesellschaftliche Vorstellungen aus, sondern direkt auf das Selbstbild vieler Betroffener.

Masking: Die unsichtbare Anpassung

Viele autistische Menschen lernen früh, ihre Andersartigkeit zu verbergen – ein Phänomen, das als Masking bezeichnet wird. Sie maskieren, um negative soziale Erfahrungen zu vermeiden, um nicht gemobbt oder als „seltsam“ abgestempelt zu werden. Dieses bewusste oder unbewusste Anpassen ist für Außenstehende oft unsichtbar – für Betroffene jedoch extrem anstrengend.

Beim Masking geht es nicht nur um das Verbergen von Schwächen, sondern auch um das Unterdrücken von Stärken. Die Direktheit, die Detailgenauigkeit, die tiefe Begeisterung – all das wird zurückgehalten, um „normal“ zu wirken. Was als Stärke empfunden werden könnte, wird zur Last, weil es nicht in die neurotypische Norm passt.

Schlechte Lebenserfahrungen

Viele neurodivergente Menschen haben schmerzhaft gelernt, dass das Zeigen ihrer Besonderheiten mit negativen Konsequenzen verbunden ist – mit Ablehnung, Mobbing oder dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Die Angst vor erneuten Verletzungen führt dazu, dass sie ihre Fähigkeiten lieber verstecken, statt sie zu zeigen.

Der Unterschied zwischen Stärke und Kompetenz

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Neurodivergente Menschen erarbeiten sich Kompetenzen, die sie unauffällig erscheinen lassen. Eine Kompetenz ist etwas, das du gut kannst – vielleicht sogar brauchst –, das dir aber keine Energie zurückgibt.
Eine Stärke, deine Superkraft drängt aus dir heraus, du liebst sie und sie gibt dir Energie zurück, wenn du sie einsetzen kannst.

Bei autistischen Menschen wird Direktheit oft als „Mut“ gelesen – dabei ist die Rechnung genau umgekehrt: Vielen Menschen kostet es Mut, in der Gruppe zu widersprechen. Autistische Menschen kostet es Kraft, sich an soziale Konventionen anzupassen und NICHT zu widersprechen. Viele scheinbare „Stärken“ sind in Wirklichkeit erlernte Kompetenzen, Überlebensstrategien in einer neuronormativen Welt.

Spezialinteressen und Hyperfokus: Die Motoren der Superkräfte

Was Spezialinteressen eigentlich sind

Fast alle autistischen Jugendlichen und Erwachsenen haben Spezialinteressen – fokussierte, intensive Leidenschaften für ein bestimmtes Thema. Doch das Wort „Hobby“ trifft es selten. Wenn autistische Menschen über ihr Spezialinteresse sprechen, beschreiben sie etwas in einer Intensität, die sich Andere kaum vorstellen können.

Ein Spezialinteresse ist:

  • eine tiefe, langfristige Beschäftigung mit einem bestimmten Thema
  • etwas, das sich über Monate oder sogar Jahre erstreckt
  • ein Thema, das Denken, Fühlen und soziale Interaktion fundamental prägt
  • kein Hobby, sondern ein zentraler Teil der Identität

Das autistische Gehirn verarbeitet Informationen zu diesen Themen mit bemerkenswerter Tiefe – Details werden gespeichert, Zusammenhänge erkannt, Wissen systematisch aufgebaut.

Hyperfokus bei ADHS

Beim ADHS-Hyperfokus handelt es sich um einen Zustand extremer Konzentration, der typischerweise aufgabenbezogen ist. Das ADHS-Gehirn sucht ständig nach Reizen, die Dopamin freisetzen – findet es einen aufregenden Kick, fokussiert es sich schlagartig. Dieser Zustand fühlt sich wie Flow an, lässt sich aber kaum steuern.

Der entscheidende Unterschied

Spezialinteressen (Autismus) und Hyperfokus (ADHS) wirken von außen ähnlich – entstehen aber aus völlig unterschiedlichen Mechanismen:

  • Spezialinteressen sind langfristig stabil, identitätsstiftend und tief verwurzelt. Sie bleiben oft jahrelang bestehen.
  • Hyperfokus ist dopamingetrieben, zeitlich begrenzt und wechselnd. Er kann von Thema zu Thema springen.

Bei AuDHS treffen beide Muster gleichzeitig aufeinander – eine einzigartige Dynamik aus Beständigkeit und Wandel.

Wie Superkräfte und Spezialinteressen zusammenhängen

Die Verbindung zwischen Superkräften und Spezialinteressen ist eng:

  1. Die Superkraft bestimmt das Interesse: Ein autistisches Gehirn mit ausgeprägter Detailwahrnehmung wird sich naturgemäß zu Themen hingezogen fühlen, die Präzision belohnen – etwa Programmierung, Buchhaltung oder historische Forschung. Ein ADHS-Gehirn mit kreativer Vernetzungsfähigkeit findet seine Erfüllung in komplexen, sich ständig verändernden Themen.
  2. Das Interesse trainiert die Superkraft: Wer jahrelang intensiv an einem Thema arbeitet, entwickelt darin nicht nur Wissen, sondern auch eine Denkweise. Das Spezialinteresse liefert den inhaltlichen Rahmen, während der Hyperfokus den Zustand beschreibt, in dem die Aufmerksamkeit sich über längere Zeit auf ein Thema richtet.
  3. Die Superkraft verstärkt das Interesse: Wer in einem Bereich besonders gut ist, wird darin auch besonders viel Freude und Bestätigung finden – ein positiver Verstärkungskreis.

Spezialinteressen sind keine optionalen Extras – sie sind Überlebensstrategien. Sie geben Struktur, Identität und ein Gefühl von Kompetenz in einer Welt, die oft überfordert. Hier kommen die individuellen Superkräfte optimal und ungebremst zum Einsatz.

Gesellschaftliche Anerkennung: Wie Arbeitgeber von neurodivergenten Stärken profitieren

Die wirtschaftliche Realität

Unternehmen, die Neurodiversität aktiv fördern, erzielen messbare Vorteile. Die Forschung zeigt:

  • Produktivität: Teams mit neurodivergenten Fachkräften können bis zu 30 % produktiver sein. Die JPMorgan Chase „Autism at Work“-Initiative fand heraus, dass autistische Mitarbeiter:innen 48 % schneller und bis zu 92 % produktiver waren als ihre neurotypischen Kolleg:innen.
  • Innovation: Inklusive Unternehmen sind sechsmal häufiger innovativ und agil. Neurodivergente Mitarbeiter:innen bringen frische Perspektiven, die andere übersehen.
  • Fehlerquote: Neurodivergente Mitarbeiter:innen machen weniger Fehler.
  • Bindung: SAPs „Autism at Work“-Programm erreichte eine beeindruckende Bindungsquote von 94 % für neurodiverse Mitarbeiter:innen.

Einsatzbereiche für neurodivergente Stärken

Autistische Fachkräfte übertreffen ihre Kolleg:innen häufig in analytischem Denken, Mustererkennung und Detailgenauigkeit – Fähigkeiten, die in Finanzwesen, Cybersicherheit und Technologie entscheidend sind.

Menschen mit ADHS und Legasthenie zeichnen sich durch kreative Problemlösung und innovatives Denken aus.

Viele neurodivergente Menschen besitzen die Fähigkeit, Aufmerksamkeit über lange Zeiträume aufrechtzuerhalten und tief an komplexen Problemen zu arbeiten – was in Forschung, Programmierung, Ingenieurwesen und prozessorientierten Rollen zu hochwertigen Ergebnissen führt.

Was Arbeitgeber tun können

Eine neuroinklusive Arbeitsumgebung zeichnet sich aus durch:

  • Flexible Tagesstrukturen und Fokuszeiten für konzentriertes Arbeiten
  • Reizarme Arbeitsumgebungen (Ruhezonen, Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung)
  • Klare Kommunikation ohne blumige Ausdrücke
  • Vertrauensvolles Umfeld, in dem Bedürfnisse offen angesprochen werden können

Vorurteile abbauen – aber wie?

Gesellschaftliche Vorurteile gegenüber Autist:innen und ADHS-Betroffenen sind immer noch sehr verbreitet. Oft verstärken sie Stereotypen wie das vom konzentrationsunfähigen ADHS-„Zappelkind“ oder dem sozial isoliert lebenden Autisten.

Was neurodivergente Menschen selbst tun können

1. Die eigene Geschichte erzählen: Wer über seine Erfahrungen spricht, macht Neurodivergenz sichtbar und entmystifiziert sie. Persönliche Geschichten sind mächtiger als jede Statistik.

2. Stärken benennen, nicht verstecken: Statt Defizite zu betonen, können neurodivergente Menschen in Gesprächen ihre einzigartigen Fähigkeiten in den Vordergrund stellen – und erklären, wie diese zum Erfolg beitragen.

3. Vorbild sein: Jeder neurodivergente Mensch, der selbstbewusst seine Andersartigkeit lebt, ist ein Vorbild für andere und trägt zur Normalisierung bei.

4. Netzwerke nutzen: Der Austausch mit anderen neurodivergenten Menschen stärkt das Selbstbewusstsein und bietet Strategien für den Umgang mit Vorurteilen.

Was die Gesellschaft tun kann

Die Forschung zeigt: Wenn die breite Öffentlichkeit wüsste, dass neurodivergente Gruppen viele Stärken und Fähigkeiten besitzen – einige sogar verbesserte Fähigkeiten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung –, würde das Stigmatisierung reduzieren und die Bildungs- und Beschäftigungschancen verbessern.

Stärkenbasierte Ansätze sind mit besserer Gesundheit und Wohlbefinden sowie höherem Selbstvertrauen verbunden. Sie helfen autistischen Menschen, ein besseres Gefühl für ihre persönliche Identität und ihr psychisches Wohlbefinden zu entwickeln.

Um dieses Bewusstsein in der Bevölkerung zu verankern, ist es erforderlich, dass neurodivergente Communities immer wieder an die Öffentlichkeit gehen, informieren, Gespräche führen und alles Erdenkliche tun, um ihre Welt in der Gesellschaft bekannter zu machen.

Der Arbeitsmarkt: Wie du deine Stärken im Bewerbungsgespräch klar machst

Vorbereitung ist der Schlüssel

1. Kenne deine Stärken: Mach dir bewusst, welche besonderen Fähigkeiten du besitzt. Die VIA-Charakterstärken (nach Peterson und Seligman) bieten einen wissenschaftlich fundierten Rahmen, um die eigenen Stärken zu identifizieren.

2. Bereite konkrete Beispiele vor: „Ich habe ein hervorragendes Auge für Details“ ist gut – „In meinem letzten Projekt habe ich einen Fehler im Code gefunden, den drei andere übersehen haben, und so einen Produktionsausfall verhindert“ ist überzeugend.

3. Erkläre den Zusammenhang: Mach deutlich, wie deine neurodivergente Art zu denken zu deinen Erfolgen beiträgt. Erkläre, dass deine Fokussierungsfähigkeit oder dein systematisches Denken kein Hindernis, sondern ein Werkzeug ist.

4. Besprich deine Bedürfnisse: Ein Bewerbungsgespräch ist auch die Gelegenheit, zu klären, welche Arbeitsbedingungen du benötigst, um deine volle Leistung zu bringen – etwa eine ruhige Arbeitsumgebung oder klare Kommunikationsstrukturen.

Was Arbeitgeber verstehen sollten

Vorstellungsgespräche sind für neurodivergente Menschen oft eine große Hürde. Standardisierte Prozesse, Smalltalk und unklare Erwartungen benachteiligen Bewerber:innen, die in anderen Kontexten hervorragende Leistungen zeigen würden.

Unternehmen, die neuroinklusive Recruiting-Prozesse entwickeln, erschließen sich ein Talent-Pool, der anderswo übersehen wird.

Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit: Wie du zu deiner Neurodivergenz stehst

Der Weg zu einem positiven Selbstbild

Spezialinteressen als Quelle der Identität: Die Anerkennung der eigenen Leidenschaften kann das Selbstbewusstsein enorm stärken. Wenn du etwas richtig gut kannst, verändert es dein Selbstbild.

Stärkenbasierte Interventionen: Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass stärkenbasierte Interventionen autistischen Menschen helfen können, ihr Selbstwertgefühl, ihr Selbstvertrauen, ihr Sozialleben und ihre Lebenskompetenzen zu verbessern.

Positive autistische Identität: Eine positive autistische Identität unterstützt die psychische Gesundheit und die Lebensqualität. Dazu gehört, über Autismus in einer stärkenbasierten Weise zu sprechen und neurodiversitätsaffirmierende Ansätze zu verfolgen.

Neurodivergenz ist keine „Störung“ – sie ist Vielfalt

Das Konzept der Neurodiversität besagt, dass es eine natürliche Variation in der Verdrahtung des menschlichen Gehirns gibt – und dass „anders“ nicht „weniger“ aber auch nicht „mehr“ bedeutet. Unterschiedliche Gehirne sind kein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein Vermögenswert, der, wenn er richtig unterstützt wird, allen zugute kommen kann.

Du gehörst dazu – genau so, wie du bist

Die Gesellschaft braucht verschiedene Denkweisen. Sie braucht Menschen, die Details sehen, die andere übersehen. Sie braucht kreative Querdenker, die Verbindungen herstellen, die niemand sonst sieht. Sie braucht Menschen mit Tiefe, mit Leidenschaft, mit der Fähigkeit, sich in Dinge zu verlieren. Sie braucht dich.

Deine Neurodivergenz ist kein Makel, den du verstecken musst. Sie ist eine andere Art, die Welt zu sehen – und diese andere Perspektive ist wertvoll.

Fazit: Die Welt braucht deine Superkräfte

Die Forschung ist eindeutig: Menschen mit Autismus und ADHS besitzen einzigartige kognitive Stärken, die in unserer Gesellschaft von unschätzbarem Wert sind. Von der Detailgenauigkeit und dem systematischen Denken autistischer Menschen bis zur Kreativität und dem vernetzten Denken von ADHS-Betroffenen – diese Superkräfte sind keine seltenen Ausnahmen, sondern typische Begabungen, die die Mehrheit der neurodivergenten Menschen in sich trägt.

Dass viele nicht über ihre Superkräfte sprechen, liegt nicht an mangelndem Können, sondern an einer Gesellschaft, die jahrzehntelang nur Defizite gesehen hat. Das Masking, die verinnerlichte Scham, die Angst vor Ablehnung – all das sind Mauern, die wir gemeinsam einreißen können.

Die Wirtschaft hat längst erkannt, dass neurodivergente Talente ein Wettbewerbsvorteil sind. Unternehmen, die neuroinklusive Arbeitsumgebungen schaffen, profitieren von höherer Produktivität, mehr Innovation und besserer Mitarbeiterbindung. Die Welt der Arbeit verändert sich – und sie braucht genau die Fähigkeiten, die du mitbringst.

Also: Steh zu deiner Neurodivergenz. Sprich über deine Stärken. Zeige der Welt, was du kannst. Du musst dich nicht verstecken, dich nicht anpassen, dich nicht kleiner machen, als du bist. Deine Andersartigkeit ist kein Fehler im System – sie ist eine Bereicherung.

Die Welt braucht Menschen, die anders denken. Die Welt braucht dich.

Quellen

  1. Hirnzigartig: Stärke oder Kompetenz? Charakterstärken bei ADHS und Autismus. https://hirnzigartig.at/adhs-berufsleben/via-charakterstaerken-adhs-autismus-staerke-kompetenz/
  2. Psychotherapie Katharina Ziob: Autismus und ADHS: Stärken und besondere Fähigkeiten. https://psychotherapie-katharina-ziob.de/autismus-und-adhs-staerken/
  3. TIEK Zentrum: 5 Superkräfte und Stärken bei ADHS, die oft übersehen werden. https://tiek-zentrum.de/staerken-bei-adhs/
  4. New Scientist: There's no such thing as a normal brain: Best ideas of the century. https://www.newscientist.com/article/2508317-theres-no-such-thing-as-a-normal-brain/
  5. EurekAlert: Study says it's time to highlight positive skills associated with neurodevelopmental conditions. https://www.eurekalert.org/news-releases/1039160
  6. Neurodinge: Stärken und Kompetenzen bei Autismus. https://neurodinge.de/autistische-staerken/
  7. PubMed: More similar than different: Characterizing special interests in autistic boys and girls. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39169860/
  8. Praxis Psychologie Berlin: ADHS und Autismus: Hyperfokus, Spezialinteressen. https://www.praxis-psychologie-berlin.de/wikiblog/articles/adhs-und-autismus-hyperfokus-spezialinteressen/
  9. University of Auckland: Unlocking competitive advantage: The business case for neuroinclusive workplaces. https://www.exec.auckland.ac.nz/the-business-case-for-neuroinclusive-workplaces/
  10. Autism SA: What Employers Gain from Neurodiversity. https://autismsa.org.au/what-employers-gain-from-neurodiversity/
  11. IDW Online: ADHS und Autismus: Wenn das Gehirn anders tickt. https://idw-online.de
  12. Tagesschau: ADHS und Autismus: Jedes Gehirn tickt anders. https://www.tagesschau.de
  13. Duke Institute for Brain Sciences: Reshaping the Narrative About Autism. https://dibs.duke.edu
  14. Autistica: Focus on strengths as well as challenges. https://www.autistica.org.uk



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